Hoja und Team bereit für die Oberliga

Hamm – Mit zwei Heimspielen gegen die Saale Bulls Halle (Freitag, 20 Uhr) und den Tilburg Trappers (Sonntag, 18.30 Uhr) starten die Hammer Eisbären am Wochenende in die Saison der Eishockey-Oberliga Nord. Vor dem Auftakt sprach Peter Schwennecker mit Eisbären-Trainer Ralf Hoja über die angesichts der Corona-Pandemie widrigen Umstände in dieser Sportart, die ansonsten eigentlich von Emotionen und der guten Stimmung in prall gefüllten Hallen lebt.

Wie erleichtert waren Sie, als am Montagabend die Meldung aus der Zentrale des Deutschen Eishockey Bundes kam, dass die Oberliga ab sofort spielen darf, weil sie als Profiliga eingestuft worden ist?

Ich habe es erst am Dienstagmorgen auf der Internetseite des DEB gelesen. Dennoch habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass wir endlich spielen können.

Das aber vor leeren Zuschauerrängen. Macht Eishockey ohne Fans überhaupt Spaß?

Grundsätzlich ist es immer schade, dass wir ohne Fans spielen müssen. Wir hatten uns nach der Entscheidung, Oberliga zu spielen, auf die Begegnungen in toller Atmosphäre in Tilburg, Hannover oder Herne gefreut. Das haben wir jetzt alles nicht. Aber ich bin froh, dass wir immerhin einmal anfangen. Als Aufsteiger tut es uns besonders weh, dass wir ohne Fans spielen. Wir sind eigentlich in der höheren Liga darauf angewiesen, dass wir diesen Support bekommen. Gerade unsere Fans sind ja dafür bekannt, dass sie uns in wichtigen Spielen nach vorn treiben können. Wir können jetzt als Eishockeysport aber immerhin zeigen, dass wir wieder da sind.

Durch die Pandemie gibt es ja viele Unwägbarkeiten. Keiner weiß, ob und wie lange das alles überhaupt laufen kann. Wenn irgendwo ein Corona-Fall auftritt, muss eine ganze Mannschaft in Quarantäne. Kann das überhaupt funktionieren?

Das ist die Situation. Ich denke, dass wir derzeit in Deutschland eigentlich andere Sorgen haben, als dass eine Eishockey-Liga spielt. Aber ich glaube, die Leute gieren auch ein bisschen nach Normalität. Wie hatten diese ja im Sommer zumindest ein Stück weit zurückgewonnen, ehe die Zahlen zuletzt wieder nach oben gegangen sind. Sicher schwebt das Virus über der gesamten Liga. Natürlich müssen wir damit rechnen, dass es auch uns irgendwann treffen wird. Wir versuchen alles an Hygienevorschriften einzuhalten, was eben möglich ist. In so einer großen Mannschaft ist das schwierig. Wir haben keine 25 Einzelkabinen. Wenn es eben geht, halte ich mich fern von der Truppe. Wir müssen abwarten, ob die Konzepte greifen. Und ob es möglich ist, dass eine Mannschaft auch einmal 14 Tage im Spielbetrieb fehlen kann.

Laut DEB könnte ja sogar während der Saison der Modus geändert werden, die Doppelrunde zur Einfachrunde werden.

Für Eishockey-Deutschland und die Oberliga geht es erst einmal darum, zu überleben. Das ist jetzt wichtig. Einige Vereine sagen ja, dass es besser und billiger wäre, wenn überhaupt nicht gespielt würde. Da weiß ich nicht, ob diese Einschätzung so richtig ist. Für uns war es ja schon einmal die richtige Entscheidung, in die Oberliga zu gehen. Denn die Regionalliga spielt vorerst nicht. Aber drücken wir jetzt erst einmal alle die Daumen, dass die Corona-Zahlen wieder heruntergehen und irgendwann wieder ein ganz normaler Spielbetrieb stattfinden kann.

Die Oberliga startet am Freitag, doch ob und wann die DEL, die höchste deutsche Klasse, wieder spielt, steht immer noch nicht fest. Wirkt das auf die Öffentlichkeit nicht ein bisschen befremdlich oder ist das sogar eine Chance für die Oberliga, noch mehr in den Blickpunkt zu geraten?

Als wir vor Wochen das Testspiel in Duisburg bestritten haben, hat uns der Duisburger Vorsitzende erzählt, dass er 2000 Karten hätte verkaufen können. Da soll es sogar viele Anfragen von den Fans aus den DEL-Städten gegeben haben, die einfach wieder Eishockey sehen wollten. Dass die DEL derzeit nicht spielt, hat vermutlich in erster Linie wirtschaftliche Gründe. In der Oberliga fließen die Gelder nicht so. Unsere Verantwortlichen haben mir versichert, dass wir die Situation finanziell so stemmen können, notfalls eine Zeit lang auch ohne Zuschauer.

Nun zum sportlichen Teil. Waren Sie mit der Vorbereitung zufrieden, ist die Mannschaft für die Oberliga gerüstet?
 
Die Vorbereitungsspiele sagen nicht wirklich etwas über Form und Fitness aus. Am vergangenen Sonntag haben wir bei den Hannover Scorpions ein recht ordentliches Spiel abgeliefert. Wir haben über weite Phasen mitgehalten. Wenn man davon ausgeht, dass die Scorpions zu den Spitzenteams gehören, dann sind wir offenbar nicht das Mega-Kanonenfutter. Doch wir müssen erst einmal abwarten. Es ist eine gewisse Euphorie vorhanden, doch werden wir im Verlauf der Runde auch die eine oder andere Delle abbekommen. Ich glaube aber schon, dass wir bereit sind, in dieser Liga zu spielen.
 
Wird sich die Mannschaft auf Dauer auch in der dritthöchsten Klasse etablieren können?
 
Das ist ja das Ziel. Ich habe immer gesagt, dass wir irgendwann aus sportlichen Gründen diesen Schritt gehen müssen. In der vergangenen Saison hat ja auch schon die Regionalliga mit Vereinen wie Herford, Neuwied oder Diez unheimlich aufgerüstet. Wir haben erst einmal fast den kompletten Kader gehalten, ihn punktuell aufgepeppt. Ob das für die Oberliga reicht? Ich denke ja.
 
In der Regionalliga sind die Eisbären fast in jeder Partie als Favorit auf das Eis gegangen, mussten immer das Spiel machen. In der Oberliga wird Hamm meist der Außenseiter sein. Wird sich die Herangehensweise für die Mannschaft dadurch grundlegend ändern?
 
Das haben wir schon gegen Hannover gemerkt. Die haben uns nicht den nötigen Respekt entgegengebracht, die Spieler haben teilweise auf dem Eis den Dicken gemacht. Ergebnistechnisch ist es ja dann auch gekommen, wie sie es sich gedacht hatten. Ich glaube, wir sind dennoch für die Liga bereit. Wir werden sehr viel in der Defensive agieren müssen. Die meisten Oberligisten sind sehr gut besetzt, haben drei richtig gute Sturmreihen, die uns als Aufsteiger permanent unter Druck setzen werden. In diesen Drucksituationen haben wir in der Vorbereitung sehr viele Fehler gemacht. Die müssen wir abstellen, weil die in dieser Liga sofort bestraft werden. In der Regionalliga konnten wir gewisse Situation spielerisch lösen. Das schaffen wir jetzt nicht mehr. Wir müssen unser Spiel umstellen, defensiv hart arbeiten, körperliche Präsenz zeigen und uns erst einmal den Respekt erarbeiten. Nur darum wird es in den ersten Wochen gehen.
 
Auch für Sie als Trainer ist die Oberliga Nord ja absolutes Neuland. Die Regionalliga kannten Sie wie Ihre eigene Westentasche. Wie bereitet sich Ralf Hoja auf die Herausforderung mit den vielen neuen Klubs und Gesichtern vor?
 
Auch in der Oberliga gibt es viele Spieler, die ich im Nachwuchsbereich ausgebildet habe oder die in meinem Dunstkreis als DEB-Juniorentrainer oder damals als DNL-Coach in Krefeld aufgetreten sind. Ich habe mir einmal die Kaderliste unseres ersten Gegners aus Halle angesehen. Da kenne ich auch einige Jungs, die damals bei den DEB-Auswahlmannschaften dabei waren. Zum Glück gibt es das Medium Video. Es gibt ausreichend Material, was ich mir ansehen kann. Eishockeytechnisch ist die Oberliga schon eine ganz andere Welt, denn die Spielstrukturen lehnen sich schon mehr an die der DEL an. In der Regionalliga West stand für uns das Spielerische mehr im Vordergrund. Das wird jetzt anders sein. Ich werde viele Videos studieren müssen. Wenn alles gut läuft, treffen wir ja in der Saison viermal auf jeden Gegner. Da wird in jedem Spiel gelernt. Da gehe ich mal von aus.
 
Ihr Kapitän Kevin Thau hat vor einigen Tagen geäußert, dass das einzige Ziel der Eisbären sein kann, nicht Letzter zu werden. Teilen Sie diese Einschätzung?
 
Als Trainer hat man immer andere Ambitionen. Das ist ganz klar. Wenn man phasenweise das Training beo-bachtet, kommt man zu der Überzeugung, dass die Jungs doch ganz gut spielen können. Im Spiel selbst ist das dann oft wieder anders. Wir haben in der Vorbereitung gegen Krefeld gemerkt, dass wir uns selbst gegen eine Mannschaft, die im letzten Oberliga-Jahr deutlich abgeschlagen war, schwer tun. Ich sehe aber nicht ganz so schwarz. Wir wollen die Gegner, mit denen wir uns annähernd auf Augenhöhe fühlen, schon schlagen, darüber hinaus den einen oder anderen Kontrahenten ärgern. Ob uns das gelingen wird, steht auf einem anderen Blatt. Hoffentlich bleiben wir vom Verletzungspech verschont. Da waren wir in der vergangenen Saison arg gebeutelt. Ich denke aber schon, dass wir im unteren Bereich gut mithalten können.
 
Wer werden denn die Kontrahenten sein, mit denen Sie sich messen können?
 
Von der Besetzung werden das Krefeld und Erfurt sein. Rostock kann ich noch nicht so richtig einschätzen. Die haben auch in der vergangenen Saison im unteren Bereich gespielt und auch nicht personell aufgerüstet.
 
Der erste Gegner heißt Saale Bulls Halle. Wo stufen Sie diese Mannschaft ein?
 
Ich habe das Testspiel der Bulls gegen Regensburg gesehen. Halle hat ein kompaktes Team mit zwei guten Ausländern und Spielern, die DEL-Erfahrung haben und daher wissen, was auf dem Eis zu tun ist. Wir hatten in der Regionalliga nur sehr wenige Spiele, in denen wir bis an unsere Grenzen gehen mussten. Daher hat uns Halle einiges voraus, weil die über einige Akteure verfügen, die so 200 oder 300 Oberliga-Einsätze auf dem Buckel haben und ständig auf hohem Niveau gefordert wurden. Aber diesen Vorteil werden die meisten unserer Gegner haben. Halle ist nicht unschlagbar, doch sehe ich uns in dieser Partie als krasser Außenseiter, weil die Saale Bulls über viel Erfahrung und auch Power verfügen.
 
Am Sonntag kommt dann mit den Tilburg Trappers eine niederländische Mannschaft nach Werries, die unter sehr professionellen Bedingungen arbeitet. Begrüßen Sie es, dass so ein Team in der deutschen Oberliga mitspielen darf?
 
Da ist in den vergangenen Jahren schon sehr viel drüber geredet worden. Es ist alles gesagt, nur nicht von allen. Warum man sich so entschieden hat, dass sie bei uns mitspielen dürfen, weiß ich nicht. Ich bin aber immer dafür, gegen leistungsstarke Gegner anzutreten. Tilburg ist eine sehr gute Mannschaft, die auch in der Lage wäre, in der DEL2 zu spielen. Doch die wollen die Trappers nicht haben. Etwas merkwürdig ist es aber schon, dass eine holländische Mannschaft zwar mitspielen, aber dann nicht aufsteigen kann. Das verfälscht das Bild. Schließlich darf Tilburg an den Playoffs teilnehmen. Und alle Vereine, die dann gegen die Trappers ausscheiden, haben die Arschkarte gezogen und können nicht aufsteigen. Das macht wenig Sinn und ist sportlich sehr bedenklich. Dennoch freue ich mich auf eine Mannschaft, die sehr gut organisiert ist und sehr gutes Eishockey spielt. Die haben im Nachwuchs gut gearbeitet, auch viele Holländer an das Niveau herangeführt. Daher ist Tilburg fast identisch mit der Nationalmannschaft der Niederlande. Man kann daher viel von diesem Verein lernen.

Autor: Peter Schwennecker
Quelle: www.wa.de

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