Beim Angebot aus Hamm keine Sekunde gezögert

Er will einfach nur wieder Eishockey spielen. Da es derzeit mit den Nürnberger Ice Tigers in der DEL nicht möglich ist, hat sich Torhüter Ilya Sharipov für vier Wochen nach Hamm ausleihen lassen.

Hamm – Er spielte für die Schwenninger Wild Wings in der DEL, war mit dem EHC München sogar Deutscher Meister und ist jetzt froh darüber, im Trikot der Eisbären endlich wieder Eishockey spielen zu können. Ilya Sharipov, den sich der Oberliga-Neuling für vier Wochen vom DEL-Klub Nürnberger Ice Tigers ausgeliehen hat, beeindruckt auch Ralf Hoja mit seiner Einstellung und dem sportlichen Ehrgeiz. „Ilya ist zunächst einmal ein richtig guter Typ, ein sehr feiner Kerl, der einfach nur weiterkommen will und dabei alles andere in den Hintergrund stellt“, schwärmt der Eisbären-Coach von den menschlichen Qualitäten seines Aushilfs-Torhüters. „Wir freuen uns darüber, ihm ein bisschen dabei helfen zu können, den nächsten Schritt zu gehen, um eine Nummer eins in der Deutschen Eishockey-Liga zu werden.“
 
Nur das ist Sharipovs Ziel. Und dafür würde er derzeit in dieser für alle belastenden Corona-Zeit einfach alles auf sich nehmen. Dabei hat er mit München schon den DEL-Titel gewonnen. „Ich fühle mich aber nicht als Deutscher Meister, denn ich habe in der Saison 2016/17 für München nicht ein Spiel bestritten, nur einige Male auf der Bank gesessen. Ich habe zwar die Meisterfeier mitmachen dürfen, den Pokal aber nicht einmal berührt“, sagt Sharipov, den es aktuell nur um Spielpraxis geht.
 

Das letzte Spiel im März bestritten

 

Zum letzten Mal stand er in einer Begegnung der DEL2 als Goalie des ESV Kaufbeuren Anfang März auf dem Eis. „Danach habe ich nur noch trainiert, aber meist nur im athletischen Bereich“, erzählt der im russischen Kasan geborene Profi. Auch bei den Nürnberger Ice Tigers, bei denen der 25-Jährige im September einen Vertrag für die höchste deutsche Spielklasse unterschrieb, gab es angesichts der Pandemie keine geregelte Vorbereitung, nicht einmal regelmäßig Eis. „Wir haben uns zwischendurch eine Eishalle im tschechischen Pilsen angemietet, um überhaupt einmal richtig trainieren zu können“, erzählt Sharipov.

Deswegen hat er auch nicht lange überlegt, als die Anfrage von den Eisbären kam. „Vor zwei Wochen habe ich einen Anruf von einem Agenten aus München erhalten, der mir erzählte, dass ich in Hamm die Möglichkeit haben würde, Oberliga zu spielen. Ich habe nicht eine Sekunde gezögert und direkt zugesagt. Mir ging es einfach nur darum, wieder Eishockey spielen zu können. Wo, war mir egal“, berichtet der Keeper.

Mit Orendorz im Nationalteam

Erst als er den bis zum 30. November dauernden Vertrag unterschrieben hatte, informierte er sich im Internet, wo er überhaupt landen würde. „Ich kannte die Stadt Hamm überhaupt nicht, wusste auch nur wenig von den Eisbären.“ Der Name des Hammer Trainers war ihm aus dem Nachwuchsbereich des Deutschen Eishockey-Bundes geläufig. Schließlich war Hoja früher als Junioren-Bundestrainer im DHB und später auch als Coach in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) beim Krefelder EV tätig. Von seinen neuen Teamkameraden kannte er zuvor lediglich Kevin Orendorz. „Mit ihm habe ich früher in der Junioren-Nationalmannschaft gespielt, zudem haben wir uns in der DNL oft auf dem Eis gegenüber gestanden“, berichtet Sharipov, der mit 13 Jahren mit seinen Eltern aus Russland nach Deutschland kam.

Sein erster Eindruck von Hamm und seinem Verein für die nächsten vier Wochen ist positiv, einen „Kulturschock“ erlebt er derzeit nicht. „Ich habe zwar bisher nicht viel von der Stadt gesehen, doch bin ich hier sehr freundlich aufgenommen worden. Auch in der Mannschaft sind einige coole Jungs“, sagt der Schlussmann. Sein Debüt im Eisbären-Trikot hat er bei den beiden Testspielniederlagen (1:5, und 1:4) gegen die Hannover Scorpions gegeben. Dabei hat er schon einmal einen kleinen Eindruck erhalten, was in den acht Meisterschaftsspielen, die er vermutlich für die Hammer bestreiten wird, auf ihn zukommen wird. „Ich hoffe, dass ich der Mannschaft helfen kann. Ich werde jedenfalls alles dafür tun“, beteuert Sharipov.

Im Team steckt Potenzial

Und er ist fest davon überzeugt, dass die Eisbären in der höheren Liga kein Kanonenfutter sein werden. „Ich glaube, dass uns viele unterschätzen werden. Ich habe aber schon gesehen, dass in der Mannschaft sehr viel Potenzial steckt, wir sicherlich einige Favoriten ärgern werden und auch das eine oder andere Spiel gewinnen können“, sagt der Keeper. Der hofft zudem darauf, dass möglichst bald die DEL wieder starten wird. Spätestens am 1. Dezember muss er wieder nach Nürnberg zu den Ice Tigers. „Hoffentlich können wir dann endlich mit der Vorbereitung beginnen, und irgendwann zeitnah auch die ersten DEL-Begegnungen absolvieren“, sagt Sharipov.

Ob er ansonsten vielleicht sogar länger in Hamm bleiben würde, kann und will er nicht beantworten. „Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Spiele. Erst Mitte November werde ich erfahren, wie es mit der DEL weitergehen wird. Mein Vertrag in Hamm läuft bis 30. November. Was danach passiert, werden wir sehen.“

Autor: Peter Schwennecker
Quelle: www.wa.de

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